Aktuelles Thema: “Ungleichheit”
Gleichheit ist Glück – Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind!
So lautet der provokante Titel eines neu erschienen Buches von Wilkinson/ Pickett.
Diese beiden hochkarätigen Wissenschaftler legen mit weltweiten, gut abgesicherten Studien sehr interessante Ergebnisse vor, die geradezu zwingend zu einer anderen politischen Haltung in unseren politischen Systemen führen müssten. Denn es gilt nicht länger: je reicher desto glücklicher, je ärmer desto
unglücklicher. Klar: in ärmeren Ländern hängen Glück, Gesundheit und Wohlbefinden immer auch von der Prosperität des Landes ab. Sobald aber eine Nation den Status eines entwickelten Landes erreicht hat, haben weitere Einkommenssteigerungen immer weniger Relevanz. Da gilt ein anderes Prinzip: je weniger Unterschiede in einem Land zwischen Arm und Reich herrschen, desto glücklicher und gesünder sind interessanterweise alle: die, die Geld, Macht und Einfluss haben, genauso wie die, die arm sind. Dass also auch die Mittelschicht und die Reichen von mehr Gleichheit profitieren, das ist neu.
Vergleicht man z.B. die Menschen in gut abgesicherten Berufen – wie Beamte – in den USA (das Land mit der größten Kluft zwischen Arm und Reich) mit Beamten in Japan oder in den skandinavischen Ländern (Länder mit der geringsten Einkommensschere) dann wird der Unterschied deutlich: Es ist nicht das Einkommen selbst, das ja in beiden Fällen garantiert und ausreichend ist. Es ist die Verteilung des Reichtums und das Ausmaß des Unterschiedes zwischen den sozialen Klassen, die den Ausschlag für Glück und Gesundheit geben. Amerikanische Beamte leiden genauso wie die Sozialhilfeempfänger der USA unter größeren Gesundheitsrisiken: Depressionen, Ängsten, Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen und sie leben kürzer als ihre Kollegen in den jeweiligen Schichten in Skandinavien oder Japan.
Wie wird denn Glück gemessen?
Die Menschen danach zu fragen, ist da sicher nicht ausreichend. Wilkinson/ Picket machen den Glücksbegriff an einigen harten Kriterien fest: Lebenserwartung, Übergewicht, Drogenkonsum, Kriminalitätsrate, Bildung, Arbeitslosigkeit, Teenagerschwangerschaften.
Interessanterweise wird erstmals in der Geschichte der Menschheit das Phänomen der Fettleibigkeit auf den Kopf gestellt. Früher eine Zeichen für Wohlstand, ist es heute ein Zeichen für Armut und Unglück. Und dies ebenfalls weltweit. Reiche sind dünn, Arme dick. Und auch hier wiederum viel stärker in ungleichen Gesellschaften. Besonders gut ist dies am Beispiel der DDR zu beobachten. Hier ist die Gesellschaft nach der Wende auseinandergedriftet. Und damit hat auch die Fettleibigkeit bei Hartz 4 EmpfängerInnen, aber auch in anderen sozialen Schichten innerhalb von wenigen Jahren drastisch zugenommen.
Wilkinson/ Pickett reden aber nicht einer staatlichen Gleichmacherei das Wort: ob Gleichheit nun wie in den skandinavischen Ländern funktioniert, wo es ein System einer hohen Steuerumverteilung und zugleich eine massive individuelle Förderung gibt: praktisch von Geburt an werden alle Kinder gleich gefördert – über qualitätsvolle Kinderkrippen, Ganztags- und Gesamtschulen ist der Ausgleich von Chancen groß: In Schweden machen 90% aller Kinder Matura. Oder wie in Japan, wo die Einkommensunterschiede von vorn herein kleiner sind und die Aufstiegschancen größer.
Diese Gesellschaften werden belohnt: es gibt weniger Kriminalität, weniger Drogen, längere Lebenserwartung, geringere Arbeitslosigkeit, einen guten sozialen Zusammenhalt, ein größeres gegenseitiges Vertrauen.
Denn so einfach ist es: Je mehr die Menschen einander vertrauen können, desto glücklicher sind sie, heißt die irritierend simple Formel, die eine Ausgangsbasis für mehr Gleichheit in der Gesellschaft darstellt.
Die linksliberale englische Zeitschrift „Guardian“ behauptet nicht umsonst:
“…vielleicht das wichtigste Buch des Jahres!”
Das Buch zum Nachlesen:
Richard Wilkinson und Kate Pickett: Gleichheit ist Glück, Tolkemitt Verlag, 2009.