Aktuelles Thema: Ganz früh!
Man weiß, dass es sinnvoll ist, bei der Gesundheitsförderung ganz früh anzusetzen. Es sind schließlich die Eltern, die ihren Kindern das Vorbild für Lebensführung und späteres Gesundheitsverhalten liefern! In den ersten Lebensjahren von Kindern müssen daher hauptsächlich die Eltern unterstützt werden, um ihre Aufgaben in der Gesundheitsfürsorge, der Entwicklungsförderung und der Erziehung kompetent erfüllen zu können. Aber auch Fachleute wie KindergartenpädagogInnen oder LehrerInnen haben großen Einfluss auf das gesundheitliche Wohlbefinden von Kindern. Sie erreichen als MultiplikatorInnen die Familien persönlich und können somit eine unterstützende Funktion einnehmen, wenn Eltern mit Erziehung und Versorgung überfordert sind.
Besondere Wohngebiete besonders berücksichtigen
„Armut und soziale Benachteiligung gehören zu den wichtigsten erklärenden Faktoren für Entwicklungsdefizite und Gesundheitsrisiken im Kindesalter.“ In Deutschland sind etwa 9% der drei- bis sechsjährigen Kinder übergewichtig, bei Kindern mit Migrationshintergrund sind dies jedoch schon 13,3%. Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus werden z.B. seltener gestillt, sind häufiger Nikotin und anderen Schadstoffen durch Passivrauchen ausgesetzt, zeigen häufiger Verhaltensauffälligkeiten und verbringen mehr Zeit vor dem Bildschirm.
In städtischen Problemgebieten sind Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen oft mit einer Vielzahl von psychosozialen und gesundheitlichen Problemen überfordert, während andere Gebiete über mehr Kapazitäten verfügen. Gesundheitliche Folgeprobleme von Kindern und Jugendlichen könnten rechtzeitig und mit vergleichsweise geringem Aufwand verhindert werden, wenn man die Unterschiedlichkeit der Wohngebiete mehr berücksichtigen würde.
Unsere beiden Projektgebiete „Grünanger“ und „Schönausiedlung“ sind durch einen hohen Anteil an Sozialhilfeempfängern, Alleinerzieherinnen, Gemeindewohnungen etc. gekennzeichnet. Außerdem weisen die Schulen und Kindergärten im Gebiet einen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund zwischen 70 und 90% auf. Auch die gesundheitlichen Probleme in belasteten Stadtteilen sind erheblich. Gesundheitsbildung und Gesundheitsförderung mit schwer erreichbaren Zielgruppen können jedoch nicht mit der üblichen Methodik funktionieren. Öffentliche Informationsveranstaltungen werden nicht besucht und es existiert oftmals kein Hausarzt/ Kinderarzt als gesundheitlicher Ansprechpartner. Erste Anlaufstelle ist meist die Ambulanz im Landeskrankenhaus.
Gesunde Entwicklung von Anfang an
Unter dem provisorischen Titel „Gesundheit und Entwicklung“ nehmen wir daher mit dem Kindergarten Andersengasse ein spannendes Pilotprojekt in Angriff:
Das multiprofessionelle Team des Kindergartens hat sich in mehreren Vernetzungstreffen mit uns zusammengesetzt und es wurde ein gemeinsames Konzept für ein sehr niederschwelliges Beratungsangebot für Eltern entwickelten. Die Workshopreihe Was fördert mein Kind – was schadet meinem Kind? – Fragen und Antworten von der Geburt bis zur Schule…. wird direkt im Kindergarten stattfinden. Geplant ist, vor allem mit Bildern zu arbeiten, um jene Eltern erreichen zu können, die kaum Deutsch sprechen.
Was soll mit dem Projekt erreicht werden?
Niederschwellige Gesundheitsbildung, Verringerung der Schwelle für Arztbesuche, Entwicklungsförderung von Kindern durch die Eltern
Was sind die Schwerpunkte des Projektes?
- Elternberatung zu gesundheitlichen und sozialen Themen
- Gewaltprävention
- Vernetzung mit Ärzten im Gebiet, Lenkungseffekt durch Hausarztbezug
- Erziehungsberatung
Für wen machen wir das Projekt?
Für Eltern von Kindern im Vorschulalter im Zielgebiet Grünanger und Schönausiedlung, für Eltern mit niedrigem Einkommen und Eltern mit Migrationshintergrund, zur Unterstützung des Kindergartenteams in der Andersengasse
Wie erreicht man die Zielgruppe?
Durch den Kindergarten als Multiplikator; momentan befinden sich 78 Kinder im Kindergarten, 83% davon haben Migrationshintergrund.
Was fördert mein Kind – was schadet meinem Kind? – Fragen und Antworten von der Geburt bis zur Schule….
Die Auftaktveranstaltung dazu findet am 28. September um 17.30 im Kindergarten Andersengasse statt. Dort werden in einem Stationenbetrieb alle Beteiligten ExpertInnen ihre Angebote vorstellen:
- Ärztliche Versorgung, Gesundheit
- Stillen und Babys
- Ernährungsberatung
- Bewegung und Entwicklung
- Spielen und Entwicklung
- Sprechen
- Erziehung