Die Entstehungsgeschichte des SMZ

Das SMZ wurde im Oktober 1984 als erste österreichische allgemein-medizinische kassenärztliche Praxisgemeinschaft mit Physiotherapie ins Leben gerufen. Gleichzeitig wurde die Familienberatungsstelle Graz-Süd eingerichtet und der »Verein für praktische Sozialmedizin« gegründet. Die Voraussetzungen für das heutige Sozialmedizinische Zentrum waren geschaffen.

Dahinter stand nicht nur ein organisatorisches Konzept, sondern ein inhaltliches Anliegen: Im Stadtbezirk Graz-Liebenau sollte ein umfassendes medizinisches und psychosoziales Versorgungsangebot von höchster Qualität etabliert werden. Dass dieses Modell bewusst auch Angebote für sozial benachteiligte Menschen beinhaltet, hat durchaus politische Implikationen: Schlechte soziale Umstände machen die Menschen krank – diese simple, aber politisch unbequeme Formel stand Pate für die Idee des SMZ. Die Hierarchie im Verhältnis Arzt-Patient sollte durchbrochen, der kranke Mensch zu einem selbstbestimmten Leben und zu aktiver Beteiligung an sozialen Prozessen ermutigt werden.

Die kritische Medizinbewegung als Geburtshelfer
Damals waren Praxisgemeinschaften weder rechtlich möglich, noch wurden sie als gesundheitspolitisch besonders wünschenswert erachtet. Daher war die Gründung des SMZ keineswegs von Vorschusslorbeeren begleitet.
Jahrelange Vorarbeiten und viel Überzeugungsarbeit bei Krankenkassen, Ärztekammer und politischen Stellen waren nötig, um das ehrgeizige Konzept in die Tat umzusetzen. Treibende Kraft waren die Ärzte Rainer Possert, Gustav Mittelbach und Diego Fritsch (†2000), die gemeinsam mit der Physiotherapeutin Heilwig Possert-Lachnit die Konzeption des SMZ auf den Fundamenten der kritischen Medizinbewegung der 1970er Jahre entwickelten. Eckpunkte waren die Unzufriedenheit mit den Ausbildungsinhalten des Medizinstudiums, der Widerspruch zwischen dem »humanistischen« Anspruch der Medizin und ihrer gelebten Praxis sowie ganz allgemein die Kritik an den kapitalistischen Herrschaftsstrukturen in der Gesellschaft. Die historisch-politischen Wurzeln des SMZ liegen auch in der frühen Ökologiebewegung, der Anti-Atom-Bewegung der 1980er Jahre und in der kritischen Psychiatrie. Die in den 1970er Jahren von Italien ausgehende neue Psychiatriebewegung (Basaglia, Wulff) bewirkte eine generelle Einstellungsänderung: Der Patient rückte in den Vordergrund, Aufklärung und Gesprächsmedizin wurden erstmals thematisiert.

Wie es weiterging
Im Jahr 1985 wurde erstmals kostenlose Einzelpsychotherapie angeboten. Im Jahr 1986 beschloss das Team des SMZ, eine Sozialarbeiterin anzustellen, um den PatientInnen ein weiteres Service am selben Ort anbieten zu können. In diesem Jahr wurde auch eine Patientenzeitung ins Leben gerufen, die dann im Jahr 1998 als SMZ-Info weiterentwickelt und erweitert wurde.

Ein wichtiger Schritt in Richtung Empowerment und BürgerInenmobilisierung erfolgte im Jahr 1986 mit der »Bürgerinitiative zur Rettung des Puch-Zweiradwerkes«: Auf Initiative des SMZ gab es große Demonstrationen von Puch-ArbeiterInnen vor dem Eigentümer CA, die enorme Medienwirksamkeit erzielten. Der Zusammenhang zwischen Arbeitswelt und Gesundheit konnte thematisiert und die Arbeitsplätze gesichert werden.

Im Jahr 1998 wurde die Sozialarbeiterstelle in zwei Halbtagsstellen (Soziologin, Sozialarbeit) geteilt, um die Voraussetzung für laufende Dokumentation, Projektvorbereitung, Evaluation und Forschung zu schaffen.

Im Jahr 1990 wurde die Hauskrankenpflege im SMZ eingerichtet, zunächst mit nur einer Krankenschwester. 1992 erfolgte dann die Gründung der Heimhilfe, 1994 die der Altenhilfe.

Im Jahr 2002 wurden eine Sexualberatungsstelle und eine Stelle für Mediation (Konfliktlösung) eingerichtet.

Mit der Sozial- und Gesundheitskonferenz Liebenau (1995) begann die intensive Entwicklung von Gesundheitsförderungsprojekten. Heute bilden die Organisation und Durchführung von solchen Projekten einen weiteren Schwerpunkt des SMZ. Die Beteiligung und Aktivierung der Liebenauer Bevölkerung ist dabei vorrangiges Ziel.

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