Von der NS – Medizin zur Biopolitik

„Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst“

Mit diesem Zitat von Jean Baudrillard eröffnete Gustav Mittelbach Anfang November 2011 das Gedenksymposium „Von der NS-Medizin zur Biopolitik“. Gemeinsam mit der Medizinischen Universität Graz beschäftigte sich das SMZ mit der Ermordung von Grazer PatientInnen in der NS-Zeit sowie mit daraus folgenden aktuellen bioethischen und gesundheitspolitischen Fragen.

Zur Motivation, ein Gedenksymposium durchzuführen, erklärte Mittelbach: „In der Steiermark wurden Tausende Menschen unter dem Deckmantel der Medizin ermordet, aber es wurde diesbezüglich kein einziger Prozess geführt.“ Allein der ehemalige Feldhof (heute LSF) hat 1500 Opfer zu verzeichnen, kein einziger aus diesem Täterkreis wurde verurteilt. Der damalige Leiter des Feldhofes beging Selbstmord. „Graz“, so Mittelbach, „ist eben nicht nur Stadt der Menschenrechte, sondern war auch Stadt der Volkserhebung!“ Bis heute existiere ein dichtes Netz an Gleichgesinnten, von denen niemand schuldig war. Man wird schließlich leicht als „Nestbeschmutzer“ bezeichnet, wenn man die Täter zur Verantwortung ziehen möchte. Bei seinen Vorlesungen erlebe Mittelbach einen ganz anderen Umgang mit der Thematik: „Die Studenten sind, was das Thema Medizin in der NS-Zeit betrifft, sehr wissbegierig und unbefangen. Allerdings ist es für mich erschreckend, wie wenig sie über dieses Kapitel der Vergangenheit wissen.“ Was erhofft er sich von der Veranstaltung? „Wir wollen einerseits den steirischen Ärzten Mut machen, sich dem Thema endlich zu stellen. Außerdem entstehen vielleicht Initiativen wie das Aufstellen einer Gedenktafel an der Grazer Frauenklinik.“

Den gesamten Bericht des Gedenksymposiums finden sie hier: Download als pdf

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