Stellungnahme des SMZ zur Kürzung der finanziellen Mittel für die Stadtteilarbeit im Schönauviertel und am Grünanger

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe KollegInnen und Interessierte,

Nachfolgend weisen wir auf die Stellungnahme des SMZ vom 19.9. bezüglich dem Gespräch zwischen SMZ-VertreterInnen und Bürgermeister-Stellvertreter/ Stadtrat Mag. Eustacchio hin.

In einem gemeinsamen Gespräch am Donnerstag, den 14. September 2017, hatten wir als VertreterInnen des Sozialmedizinischen Zentrums die Möglichkeit, Mag. Eustacchio unsere Stadtteilarbeit in den Gebieten Grünanger und Schönauviertel vorzustellen. In einem - aus unserer Sicht - konstruktiven und offenen Gespräch hat er uns ein positives Bild und Interesse gegenüber der Stadtteilarbeit des SMZ vermittelt.Umso überraschender war für uns das Ende unseres Gesprächs: Mag. Eustacchio will uns (als bis dato einziges Projekt der Stadtteilarbeit) die bis zum Jahresende nötigen, restlichen finanziellen Mittel von ca. 11.000.- nicht mehr zur Verfügung stellen, obwohl er keinerlei Einwände zu unserer Arbeit formuliert hat.

Vielmehr äußerte Mag. Eustacchio
generelle Probleme mit dem SMZ zu haben:
1. Das SMZ würde durch Gedenkarbeit Wohnbau am Grünanger verhindern.

2. Die allgemeinen SMZ-Arbeitsbereiche seien nicht durchschaubar, Fördermittel und Geldgeber intransparent.

Das Streichen von ca. 11.000.- Fördergelder für die Stadtteilarbeit kommt somit einer Sanktion gleich.
Wir haben nicht nur in unserem gemeinsamen Gespräch diesen Kritikpunkten widersprochen und versucht, aufzuklären, da jedoch unser Zeitrahmen dafür zu knapp bemessen war, wollen wir dies hiermit nochmals schriftlich untermauern und öffentlich Stellung dazu beziehen.

Ad1) Das SMZ würde Wohnbau am Grünanger verhindern
Das SMZ will und könnte gar keinen Wohnungsbau verhindern! Das SMZ fordert keinen Baustopp von (Sozial)Wohnungen, sondern einen würdigen und respektvollen Umgang mit der traurigen Geschichte des Zwangsarbeiterlagers am Grünanger - des größten Lagers in Graz überhaupt: Zehntausende Menschen wurden hier durchgetrieben, unzählige starben hier an Typhus oder Hunger, wurden hier zu medizinischen Zwecken missbraucht (Zwangsabtreibungen, chirurgische Operationsübungen an Frauen, Medikamentenversuche) oder erschossen. Es sind Fakten rund um die historischen Hinterlassenschaften, die jetzt als archäologische Funde zutage treten und Wohnbau verzögern und nicht das SMZ. Wir weisen bereits seit fünf Jahren darauf hin, dass zwangsläufig Relikte vorhanden sind und bei möglichen Bauvorhaben zutage treten!

Das SMZ fordert eine an diese Gräueltaten erinnernde, angemessene Gedenkstätte: Die aktuellen Ausgrabungen am Areal der zukünftigen Heimgärten am Grünanger sind nicht nur erschütternd, sondern auch in ihrer Größe beeindruckend. Aus Sicht der jungen Generation im SMZ-Team wäre eine „Gedenkstätte als Lernort“ angemessen, d.h.: Geschichte für Jung und Alt sichtbar und erlebbar machen. Der Erhalt eines Teils der archäologischen Überreste als Gedenkstätte würde der Stadt Graz auch über die Stadtgrenzen hinaus Anerkennung verschaffen und einen sichtbarer Beweis darstellen, die NS-Vergangenheit am Grünanger aufgearbeitet zu haben.

Das SMZ sieht Gedenkkultur als wichtigen Bestandteil der Gesundheitsförderung. Wir haben beim Wohnungsresort der Stadt Graz keinerlei finanzielle und personelle Ressourcen für unsere Gedenkarbeit abgerechnet. Unser Engagement in der Gedenkarbeit erfolgt zum größten Teil ehrenamtlich, ein geringer Teil wird über den Fördergeber Land Steiermark abgerechnet.

Ad2) Die allgemeinen SMZ-Arbeitsbereiche seien nicht durchschaubar, Fördermittel und Geldgeber intransparent.

Wir verweisen nochmals auf eine detaillierte Antragstellung seitens der Stadtteilarbeit für das Jahr 2017 mit genauen Beschreibungen unserer Projektaktivitäten für den Grünanger und das Schönauviertel. Diese wurden für 2017 mit dem Friedenbüro gemeinsam formuliert und koordiniert.

Alle Projekte werden in eigenen Arbeitszeitaufzeichnungen von den MitarbeiterInnen genauestens nach Arbeitspaketen und Aktivitäten dokumentiert. Diese Zeiterfassung führen wir auch für alle anderen Arbeitsbereiche durch, was die Nachvollziehbarkeit und Überprüfung der geleisteten Stunden für die einzelnen Projekte ermöglicht.

Die Subventionsabrechnung seitens des Wohnungsamtes für das Jahr 2016 wurde eingehend geprüft und positiv bestätigt.

Selbstverständlich erfordern auch die Subventionen vom Land Steiermark eine jährliche und detaillierte Antragsstellung, genaue Abrechnungen sowie dazu gehörige ausführliche Tätigkeitsberichte. Sie alle werden vom Land genau geprüft und nachgefragt. Weiters verlangt der Fördergeber Land Steiermark die Offenlegung sämtlicher Zusatzförderungen, also auch die Subventionshöhe der Stadt Graz.

Die von uns befürchtete Kürzung der Subventionen von ca. 11.000.- für 2017, durch Mag. Eustacchio hat nachhaltige Konsequenzen für die Stadtteilzentren Grünanger und Schönau.

Gefährdet sind somit:
- SMZ MitarbeiterInnen-Arbeitsplätze (derzeit ein Volläquivalent auf 5 MitarbeiterInnen aufgeteilt),
- einhergehend laufende niederschwellige Beratungs- und Gesundheitsprojekte vor Ort und von den dort lebenden BewohnerInnen gewünschte Initiativen (zB selbstorganisierte Feste und Ausflüge, Projekte, die in den Stadtteilzentren stattfinden, Siedlungsbetreuung mehrerer Schwerpunktsiedlungen, …)
- Jede Reduktion der laufenden Projekte zieht direkte Konsequenzen für die teilnehmenden BewohnerInnen des Stadtteils nach sich (zB Verlust eines sozialen Netzwerks und Struktur im Alltag sowie konstanter Ansprechpersonen in Problemfällen und akuten persönlichen Krisen,…). 2017 konnte das SMZ allein mit Projekten in den Stadtteilzentren und vor Ort mind. 500 Personen nachvollziehbar (Dokus) erreichen und unterstützen.

Wir fordern die Rücknahme, der kurz vor Jahresende vorgenommenen Kürzung, wie bei anderen Projekten der Stadtteilarbeit, um laufende Projekte nicht zu gefährden!

Graz, am 19.9.2017

Für das Team des SMZ Liebenau
MR Dr. Rainer Possert (Obmann)
MR Dr. Gustav Mittelbach (Vorstandsmitglied)
Martina Frei, MPH, BSc. (Projektleitung Gesundheitsförderung und Stadtteilarbeit)