Zwischenauswertung SMZ-Hilfs-Netzwerk

Wir, das SMZ, haben die Auswirkungen und Beschränkungen der Corona-Pandemie zum Anlass genommen, mit 16.03.2020 das SMZ-Hilfs-Netzwerk zu gründen. Gleichzeitig wurden sämtliche Projekte zur sozialen Teilhabe wie Projekte und Veranstaltungen einstweilen abgesagt oder verschoben bzw. wurden sie teilweise nur in geringem Ausmaß und/oder online weitergeführt. Die ärztliche Praxis im SMZ war während dieser Zeit prinzipiell geöffnet- eine Woche allerdings nämlich vom 23. März - 29. März 2020, nur als Online-Ordination erreichbar. Die Sozialarbeiter*innen haben im SMZ in der Liebenauer Hauptstraße 141 für notwendige Beratungen, die nicht telefonisch geführt werden können, 10 Stunden pro Woche für persönliche Gespräche eingeplant. Die telefonische Erreichbarkeit war von: Mo-Fr von 08:00-18:00 Uhr, also 10 Stunden pro Werktag, gegeben. Diese Evaluierung gilt für den Zeitraum von 16. März 2020 bis einschließlich 03.April 2020.

 

Kurzbeschreibung des Projekts SMZ-Hilfs-Netzwerk:

Das Hilfs-Netzwerk dient allen, die Unterstützung brauchen und allen, die aktiv helfen möchten. Unser Angebot beinhaltet Hilfe, Beratung und Unterstützung, speziell für die Bewohner*innen der Bezirke Liebenau und Jakomini. Folgende Angebote wurden vermittelt:

 

Krisen- und Beratungsgespräche

  • telefonisch,
  • online oder
  • persönlich (nach telefonischer Vereinbarung)

 

mit Expert*innen aus den Bereichen:

  • Sozialarbeit
  • Medizin
  • Gesundheitsförderung
  • Psychotherapie und

 

Angebote:

  • Einkaufsdienste
  • Medikamentenbesorgungen
  • notwendige Besuchsdienste und
  • ähnliche Unterstützung für zu Hause

 

Vernetzung von bereits tätigen

  • lokalen Bezirksgruppen
  • Pfarren
  • Vereinen
  • lokalen Politiker*innen

 

Zielgruppe:

Die Zielgruppe setzt sich aus den Projektteilnehmer*innen von Projekten des SMZ-Liebenau, des SMZ Stadtteilzentrums Jakomini, des Nachbarschaftszentrums am Grünanger sowie bestimmten Patient*innen (z.B. chronisch Kranke, Alleinlebende, Hochrisikopatient*innen) der SMZ Praxis zusammen. Weiters zählen Klient*innen der Sozialarbeitersprechstunde der Ordination und der Familienberatung zur primären Zielgruppe, außerdem sämtliche Menschen, die sich über die telefonische Beratung melden, Hilfe anbieten oder Hilfe brauchen.

Die andere Zielgruppe setzt sich aus Personen, Vereinen und Netzwerken aus den Bezirken Liebenau und Jakomini, aber auch aus den umliegenden (Stadt-)Bezirken zusammen, welche Hilfsangebote wie Einkaufsdienste, psychologische Beratung/Betreuung oder Ähnliches anbieten, zusammen.

Ziel:

  • Präventive, nachgehende und telefonische Betreuung und Beratung von Menschen in der Krise durch multiprofessionelles Team
  • Informationen, Aufklärung und Vermittlung von Verhaltensregeln rund um Covid19
  • Drehscheibe sowie Organisation und Koordination von Hilfsangeboten
  • Entlastungsgespräche psychisch Kranker und multimorbider Personen
  • Niederschwellige Anlaufstelle und Drehscheibe für sozialarbeiterische Hilfestellungen
  • Abbau von Barrieren und Hemmungen für die Hilfesuchenden durch aktives Zugehen

Vorgehen:

Für eine optimale Vermittlung von Hilfsangeboten wurde eine „Hilfeliste“ erstellt. In dieser wurden sämtliche relevante Angebote gesammelt, auf die die Mitarbeiter*innen verweisen konnten, sollte ihre fachliche Beratung und/oder Hilfestellung nicht ausreichen. Außerdem wurden die Kooperationspartner*innen des SMZ, Bezirksvorsteher der Bezirke Jakomini und Liebenau telefonisch über unser Angebot informiert. Auch Ärzt*innen aus den Bezirken Liebenau und Jakomini wurden telefonisch und bei Bedarf per Mail oder Flyer über das Hilfs-Netzwerk in Kenntnis gesetzt.

Informationen zum SMZ-Hilfs-Netzwerk wurden mit der Bitte um Veröffentlichung an folgende Zeitungen per Mail versandt: der Grazer, kleine Zeitung, Kronen Zeitung, die Woche, Falter und Megaphon. Eine Veröffentlichung auf Facebook über beide Seiten des Sozialmedizinischen Zentrums („SMZ“ und „Stadtteilarbeit Jakomini und am Grünanger“), die Aussendung eines Newsletter sowie die Veröffentlichung auf der Homepage des SMZ Liebenau wurden ebenfalls noch in der ersten Woche durchgeführt.

Durch die nachgehende Betreuung per Telefon, also aktives Anrufen der Teilnehmer*innen wurden unterschiedliche Personen über unser spezielles Angebot informiert. Ziel war es, die Hemmschwelle der Bewohner*innen zu senken, sollten sie Hilfe benötigen.

Sämtliche Beratungs- und Vernetzungsgespräche in dieser Zeit wurden dokumentiert und nach zwei Wochen evaluiert. Zusätzlich wurde täglich im Team reflektiert und bei Bedarf unsere Maßnahmen angepasst und optimiert. Auch das weitere Vorgehen und die Aufgabenverteilung wurden regelmäßig per Video- Telefonkonferenz verteilt und besprochen.

Dokumentation:

Jedes Gespräch wurde in einer Excelliste eingetragen und folgende Daten wurden vermerkt: Datum, Durchführende, Vermittelt an, Name, Gesprächsdauer in Minuten, Anmerkungen zum Gespräch, Geschlecht und Altersgruppe. Letztere wurde folgendermaßen eingeteilt:

Altersgruppe 1=

Kinder/Jugendliche

Altersgruppe 2=

junge Erwachsene (bis ca 35)

Altersgruppe 3=

Erwachsene unter 65

Altersgruppe 4=

Senior*innen über 65

 

Evaluierung nach 3 Wochen:

Es wurden in den zwei Wochen von 16.03. bis 03.04.2020 165 Telefongespräche durchgeführt. Insgesamt ergab das einen zeitlichen Aufwand von über 2900 Minuten. Außerdem wurde in den genannten drei Wochen an 15 unterschiedliche Stellen weitervermittelt.

Werden die Beratungen nach Altersgruppen ausgewertet, so wird deutlich, dass besonders Erwachsene zwischen 35 und 65 Jahren beraten, vermittelt und informiert wurden. Kinder und Jugendliche wurden hingegen kein einziges Mal beraten. Ein großer Teil, nämlich fast 20%, sind Seniorinnen und Senioren. Jene, die von uns kontaktiert wurden, zählten größtenteils zu Hochrisikogruppe, da sie, neben ihres fortgeschrittenen Alters, auch mehrere Grund- oder chronische Erkrankungen aufweisen. Der größte Teil, nämlich 75 Prozent der Menschen sind in einem Alter zwischen 35 und 65.

Allgemein kann gesagt werden, dass mehr Männer als Frauen das SMZ-Hilfsnetzwerk in Anspruch genommen haben. Neben den Beratungen über Telefon und per Mail, wurden in 7 Fällen persönliche Beratungen durchgeführt, wobei es sich in einem Fall um einen Hausbesuch handelte. Nicht von allen Klient*innen wurde das Alter oder Geschlecht erfasst, da es nicht passend oder notwendig schien. Deshalb ergeben sich bei genauer Betrachtung Abweichungen der Summenzahlen.

 

Evaluierung nach 5 Wochen

Es wurden in den fünf Wochen von 16.03. bis 20.04.2020 genau 273 Telefongespräche durchgeführt (Stand 20.04.2020 18:00 Uhr). Insgesamt ergab das einen zeitlichen Aufwand von über 4700 Minuten. Die durchschnittliche Gesprächsdauer in Minuten beträgt 18,4. Außerdem wurde in den genannten fünf Wochen an über 20 unterschiedliche Stellen weitervermittelt, am öftesten an Zusammenhalt Graz.

     

Absolut

Prozent

Altersgruppe 1=

Kinder/Jugendliche

3

0

Altersgruppe 2=

junge Erwachsene (bis ca 35)

11

6,67

Altersgruppe 3=

Erwachsene unter 65

186

72,59

Altersgruppe 4=

Senior*innen über 65

43

20,74

Tabelle 1: Gespräche nach Altersgruppen; *

Werden die Beratungen nach Altersgruppen ausgewertet, so wird deutlich, dass besonders Erwachsene zwischen 35 und 65 Jahren beraten, vermittelt und informiert wurden. Kinder und Jugendliche wurden hingegen nur drei Mal beraten. Ein Teil, nämlich 18 % sind Seniorinnen und Senioren bzw. Menschen über 65. Der größte Anteil (76 %) bildet jene Gruppe der Menschen, im Alter zwischen 35 und 65 Jahren.

Nach fünf Wochen zeigt sich, dass im Gegensatz zur Auswertung nach drei Wochen, die Telefongespräche mit Frauen zugenommen haben.

 

Tabelle 2: Gespräche nach Geschlecht; *

Neben den Beratungen über Telefon und per Mail, wurden in 18 Fällen persönliche Beratungen durchgeführt.

Die meisten Gespräche drehen sich um Sorgen und Ängste. Insbesondere finanzielle und psychischer Druck wird durch die Einzelgespräche sichtbar. Klient*innen mit Suchterkrankungen, abstinente Alkoholiker*innen und jene mit bekannten Depressionen empfinden die Situation teilweise zunehmend als herausfordernd. Andere Klient*innen erzählen vom tollen Engagement und ihren Strategien mit der Zeit und den fehlenden sozialen Kontakten umzugehen. Generell ist der Redebedarf groß, die Hoffnung, dass die Situation bald vorbei ist, ebenso.

 

 

* Nicht von allen Klient*innen wurde das Alter oder Geschlecht erfasst, da es nicht passend oder notwendig schien. Deshalb ergeben sich bei genauer Betrachtung Abweichungen der Summenzahlen.